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Was beim Schreiben der Briefe passiert

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  Wenn ich Briefe verschicke, erziele ich die unterschiedlichsten Reaktionen. Es gibt Menschen, die positiv mit Nachrichten per WhatsApp, E-Mail oder einem eigenen Brief eingehen, andere übergehen es, und es gibt sogar negative Reaktionen. Ich solle nicht so viel bloggen, nicht so viel schreiben.  Nun gut, es ist ja ein Projekt für mich. Ich habe mir vorgenommen, bis zum Ende des Jahres diese Briefe zu schreiben. Dies als Begleitung meiner Entrümpelungsaktion. Da kann man nicht einfach aufhören, sondern zieht es durch und sucht kontinuierlich nach Ideen für Briefe und Blogartikel.  Als ich ein Weihnachtsbüchlein beim Aussortieren meiner Bücher in die Hand bekam, entstand die Idee, den Inhalt auf Adventskalender-Briefe zu verteilen und an meine Familienmitglieder zu verschicken. Einen Freund, der mich gefühlt seit Jahrzehnten stets im Rahmen seines Weihnachtsrundbriefs bedenkt, wollte ich mit einschließen. Einfach, um mich endlich mal zu revanchieren. Gerade in Zeiten, in ...

Antje Weisgerber

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  Meine Mutter war in jungen Jahren anscheinend ein großer Fan der Schauspielerin Antje Weisgerber. Ich habe schon relativ lange ein Buch über Gustaf Gründgens im Regal stehen, das ihr gehörte; er hat darin mit seinem Namen signiert. Während meiner Entrümplungsaktion nehme ich das Buch mal wieder in die Hand. Und ich denke erneut: Was gibt mir eigentlich Gustaf Gründgens? Natürlich wirft man so etwas nicht weg, das ist klar ...   Ich blättere in den Seiten und sehe, dass ein großer Tafelteil mit vielen Schauspieler/innen-Fotos enthalten ist, teilweise sind es bekannte Namen wie Elisabeth Flickenschildt. Meine Mutter hat sich in dieses Buch hinein viele Autogramme geben lassen. Auch von Antje Weisgerber, als diese bei den Salzburger Festspielen auftrat. Das hatte ich alles noch gar nicht gesehen.  Meine Mutter und ihre Freundin Ruth waren große Fans des Theaters. Und ich entnehme einem Brief meiner Tante Erna, der in dem Buch lag, dass sie sich vor allen Dingen für An...

Weihnachtsträume

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 Wenn ich mir dieses alte Bilderbuch anschaue, erinnere ich mich daran, wie lange ich mich als Kind mit so etwas beschäftigen konnte. Ich schaute mir den Weihnachtsbaum und die Spielsachen an, die die Kinder auf dem Bild bekommen hatten. Dann träumte ich mich in diese Welt hinein. Spielte im Geiste mit diesen Kindern, dachte mir Geschichten aus, die rund um den geschmückten Baum passieren konnten. Das hatte einen ähnlichen Reiz, wie beispielsweise mit dem Puppenhaus zu spielen. Ich erinnere mich auch an die Adventskalender, die wir früher hatten. Als die Schokoladenkalender aufkamen, war ich schon ein Teenager, vielleicht 14 Jahre alt. Diese Kalender waren nicht so schön, aber natürlich war es toll, jeden Morgen ein Stück anders geformter Schokolade zu essen.  Die Bildchen-Kalender haben mir besonders gut gefallen. Auch davor saß man lange, schaute sich die kleinen Motive an und träumte sich in den Adventskalender hinein. Es war so viel bescheidener als heute. Man muss sich nu...

Das Versmaß muss stimmen

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  Die Gedichte meines Vaters liegen in großen Ordnern schon eine Weile herum. Ich habe sie jetzt in einen Schrank gestellt, den ich nach und nach für das Familienarchiv frei räume.  Vorhin blätterte ich darin und schlug spontan eine Seite auf.  In Waldkirch im Dettenbach hinten Stand einst ein verwaistes Haus, Da gingen schon viele Jahre Keine Bauern mehr ein und aus. Wie war sie doch romantisch die gute alte Zeit, ach, käm sie doch mal wieder, was wär das für 'ne Freud. Mein Vater hielt immer das Versmaß ein. Es war das erste, das er mir beibrachte, als ich ein eigenes Gedicht vortrug. "Man muss das Ve-rrr-ssss-maß einhalten." Ich bin bis heute immer unangenehm berührt, wenn jemand ein Gedicht schreibt und die Verse unterschiedlich viele Silben haben. Oder wenn es sich an einigen Stellen reimt, an anderen nicht.  Im Fall obiger Reime nun würde ich meinem Vater gerne etwas sagen, was ja leider nicht mehr geht. Ich habe von einem Freund gelernt, beim Dichten kein...

Das Herbarium meiner Großmutter

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  Ich stoße mal wieder auf das Herbarium meiner Großmutter Emi. Sie hatte eine Ausbildung zur Apothekerin gemacht und vielleicht arbeitete sie auch nach ihrer Ausbildung eine Zeitlang als fertige Apothekerin.  Das Herbarium legte sie mit 23 Jahren an. Sie hatte damals schon ihre typische Handschrift. Ich besitze nicht mehr viel von ihr, insofern ist es schön, das noch zu haben. Ein altes Herbarium hebt man sowieso im Familienarchiv auf.  Aber mir fällt nicht viel dazu ein, denn ich habe zu Pflanzen wenig Beziehungen. Faszinierend finde ich, dass es fast hundert Jahre alte Gewächse sind. Sie sind nicht vergangen, sondern erhalten geblieben.  Irgendwann habe ich mal überlegt, ob ich Gedichte zu den Pflanzen aus dem Herbarium schreiben soll. Es ist immer schön, wenn etwas Altes einlädt, sich inspirieren zu lassen.  Ich habe den Gedanken aber nicht weiterverfolgt. Natürlich habe auch ich als Kind Pflanzen gesammelt und gepresst. Und während meiner Buchhändlerinnenze...

Ihr leerer Blick

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 In einem Zeitschriftenband der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft fällt mir ein Foto auf. Es zeigt die französische Kinderbuchschriftstellerin Sophie de Ségur. Das Bild stammt aus einem Buch, das nur Fotografien enthält, und der Autor des Artikels stellt einen Teil dieser Bilder vor. Er lässt sich über den traurigen Blick der dargestellten Dame aus. Ich frage mich, wer sie gewesen ist und googele ihren Namen. Stelle fest, sie war die bekannteste französische Kinderbuchautorin des 19. Jahrhunderts. Ich recherchiere über sie. Tatsächlich, sie hat einige Kinderbücher geschrieben, die mich interessieren. Und schon bin ich wieder dabei, zu überlegen, ob ich mir eines ihrer Werke bestelle. Der nicht ganz niedrige Preis hält mich ab. Eine Leseprobe würde mir reichen, und ich finde irgendwo auch etwas.  So ist es eigentlich mit allen Büchern: Schlägt man eins auf, eröffnet sich eine Welt, die schier unendlich scheint. Jeder Impuls beim Blick in die Literatur kann einen we...

Limo aus Zitronen

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  Beim Hin- und Herschieben der Bücher stoße ich auf ein schmales Bändchen. Ui, das ist ja mein "Dr. Oetker Kinder-Kochbuch". Ich erinnere mich noch gut daran, als ich es zu Weihnachten geschenkt bekam. Es faszinierte mich. Und am ersten Weihnachtsfeiertag kochte ich bereits ein Ei. Drei Rezepte habe ich in dem Büchlein angestrichen, das ist einmal das besagte gekochte Ei, dann Zitronenlimonade sowie ein Kartoffelauflauf.  Wir bekamen damals nur "Sprudelwasser" ohne Geschmack zu trinken, und das war nicht besonders lecker. Daher fand ich den Gedanken spannend, Limonade selber herzustellen.  Natürlich ist auch das ein Buch, das nicht wegkommt, selbst wenn ich es ganz schön verschmiert habe – mit ungefähr sieben Unterschriften meines Namens auf den ersten beiden Seiten.  Was mich lockt, ist, den Kartoffelauflauf nachzukochen. Da ich viel abgenommen habe, befürchte ich allerdings, damit direkt ein Kilo zuzunehmen – aber: Es handelt sich ja um ein Kinderkochbuch, und en...