Mein Vater und die Ölsardinen
Langsam wird mir die Richtung klar, in die mein Projekt geht. Ich werde wohl ein Familienarchiv anlegen. An allen Ecken und Enden stoße ich auf Dokumente, Fotos, Bücher und Briefe, die Einblicke in die Geschichte unserer Familie liefern. Da ist zum Beispiel das Hobby meines Vaters, der mehrere Jahre lang Ölsardinendosen sammelte. Ich erinnere mich noch, als wir Freunde in Frankreich besuchten und der Gastgeber meinem Vater einige Sardinendosen zeigte. Es waren nicht viele, nur eine kleine Sammlung. Mein Vater war so begeistert von den ästhetisch gestalteten Dosen, dass er sofort begann, ebenfalls Ölsardinendosen zu sammeln. Er ging umgehend in den Supermarkt, wo er groß einkaufte. Jahrelang beherrschten Sardinendosen unsere Küche. Im Alter von 59 Jahren wurde er von der Oberhessischen Presse interviewt. Ich studierte damals an der Philipps-Universität in Marburg und mein Vater war in unserem Fachbereich Vor- und Frühgeschichte gut bekannt. Jemand hängte das Zeitungs-Interview ans Schwarze Brett. Es war mir furchtbar peinlich.
Heute finde ich es originell, das Interview ist lustig und zeigt den hintergründigen Humor meines Vaters. Er erzählt beispielsweise, dass er die Sardinen an die Nachbarskatze gefüttert hat. Die Nachbarin wird sich gewundert haben ...
Ich ahne, woher ich die Neigung habe, immer wieder "special interests" zu entwickeln, für die sich außer mir nur wenige erwärmen können. Mein Vater hat seine riesige Sardinendosensammlung später an ein maritimes Museum gespendet.
Ja, wenn man etwas sammelt, macht das Spaß – aber es ist natürlich irgendwann ein Platzproblem. Und auch ein Problem, was eines Tages mit der Sammlung passiert, wenn man nicht mehr ist. Ich habe die Erinnerungen an meinen Vater und sein Hobby in einem Leitz-Ordner gefunden, der mal wieder so unscheinbar aussah, dass ich dachte: "Ach, das kann ich sicherlich wegwerfen." Pustekuchen, der Ordner wird natürlich bleiben. Ich werde einen Schrank in meiner Wohnung, in dem nur unnötiges Zeug liegt, zum Familienarchiv machen. Sollte ich eines Tages wirklich mal in Rente gehen und habe Lust dazu, könnte ich eine Familienchronik schreiben. Dann würden die Nachfahren alles gebündelt in einem einzelnen Buch vorfinden und niemand ist mehr in der Not, die ganzen Dokumente in Schachteln und Ordnern aufzuheben ...


Sehr lustige Geschichte über kuriose Leidenschaften. Ich habe mal Teddybären gesammelt ! Und aktuell sind es Fahrräder, allerdings nur solche, die ich fotografiert habe!
AntwortenLöschenSolange man keine Bücher sammelt, ist alles gut ;)) (Spaß)
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