Ave, Jesu Christe
Heute habe ich mich nicht besonders gut gefühlt. Ich bin, was für meine Verhältnisse sehr früh ist, bereits um 6 Uhr aufgestanden. Und das am Sonntag. Ich hatte noch einen Artikel zu schreiben, den ich früh liefern musste. Und als ich den fertig hatte, stellte ich fest, noch einen schreiben zu müssen, den ich erst für morgen eingeplant hatte. Nachdem ich damit fertig war, fühlte ich mich komisch. So leer. Der ganze Tag war merkwürdig. Auch mein Besuch nachmittags am offenen Bücherschrank, was mir normalerweise Spaß macht, war stressig. Ich hatte gestern ein paar sehr schöne alte Bücher hineingestellt, die zusammengehörten. Leider standen sie immer noch da. Der Schrank war über und über mit Büchern vollgeknäult, es war unfassbar. So etwas kann ich nicht sehen, weshalb ich begann, aufzuräumen. Im selben Moment kam ein Mann, öffnete die Tür auf der anderen Seite, griff sich die von mir hineingestellten Bände. Sie purzelten ihm auf dem Boden, und ich erschrak. Ich sagte: "O Gott, die wunderbaren Bücher. Damit muss man vorsichtig umgehen, die sind wertvoll." Er sagte, dass er das gesehen habe und er sie am liebsten gleich mitnähme. Was er auch tat. Es war mir etwas peinlich, so unfreundlich gewesen zu sein.
Ich sortierte anschließend 25 Titel aus dem offenen Bücherschrank aus, damit die Buchreihen wieder ordentlich stehen können. Manche Leute schmeißen wirklich alles rein. Man kann nicht jeden Schinken in den offenen Bücherschrank stellen. Es muss schon etwas sein, das für die Leserinnen und Leser noch interessant ist. Alte Zeitschriften reinknallen, irgendwelche uralten Rechtsratgeber oder olle Lernhilfen, das ist nicht attraktiv. Ich schleppte den Stapel mit nach Hause und warf die Bücher in die Papiertonne.
Stressig ging es weiter, denn ich hatte noch einen dritten Artikel zu schreiben, der relativ schwierig war. Als ich damit fertig war, beschloss ich, mich meinem Blog und meinem Briefprojekt zu widmen. Und da begann ich, zu entspannen. Ich sah 35 Bücher aus meinem großen Regal durch und sortierte sie in "Verschenke ich", "Behalte ich" und "Überlege ich mir noch". Es war eine sehr beruhigende Beschäftigung. Ein Buch, das ich zuerst eigentlich wegschmeißen wollte, beschäftigte sich mit dem Thema 300 Jahre Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt (1629–1929). Schüler und Ehemalige schrieben ihre Erinnerungen in Form einer Geschichte auf. Als ich auf eine Story stieß, die "Weihnachtsfeier 1928 in der Quarta" hieß, dachte ich an meine eigene Schulzeit zurück. Wie schön der letzte Tag vor den Weihnachtsferien immer war, wenn wir wichtelten und alles friedlich und freundlich war. Der Autor – er hieß Rolf Kersten – beschrieb, wie die Jungen ein kleines Weihnachtsstück auf Lateinisch aufführten, um ihren Lehrer zu überraschen. In seiner Geschichte schrieb er den gesamten lateinischen Text auf, und ich habe tatsächlich ein bisschen was verstanden. Es geht ganz klassisch darum, wie die drei Weisen aus dem Morgenland Maria, Josef und Jesus aufsuchen. Ich war nach der Lektüre relaxt. Einige Titel, die sehr unansehnlich aussahen, habe ich noch geklebt. Ich merke, wie gut es mir tut, mich mit Büchern zu beschäftigen ...

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