Ein Hauch von Leichtigkeit
Ich muss ein Stück weit kürzertreten. Das Basteln der Briefumschläge aus alten, nicht mehr benötigten Buchseiten macht mir zwar Spaß, aber lieber benutze ich gekaufte Kuverts. Sie sind ganz schlicht und einfach unkomplizierter. Haben die richtige Größe, sind nicht so schwer. Eine normale 85-Cent-Briefmarke reicht (noch - das Porto soll inflationsbedingt etc. ab Januar auf 95 Cent steigen). Man muss nicht vorher wiegen, womöglich sehen sie auch noch schöner aus.
Es ist vor allem auch ein Zeitproblem, denn – wie ich gestern schon geschrieben habe – ist das Projekt anspruchsvoll, das ich mir vorgenommen habe. Jeden Tag, wirklich jeden, zehn Bücher oder andere Gegenstände zu entsorgen, ist richtig anstrengend. Die Entscheidung, was behält man, was gibt man weg, ist emotional schwierig, weil die Dinge mit Erinnerungen verbunden sind. Meine Wohnung ist so voll, dass ich mich bis an mein Lebensende damit beschäftigen könnte: Die Bücher zu lesen, Fotos zu sortieren und zu beschriften, alle Papiere zu sichten, zu scannen und einzuordnen. Eine Chronik zu schreiben. Denn es sind nicht nur Bücher, es sind auch viele Unterlagen aus der Familienhistorie.
Ich habe eben einen Schrank teilweise leergeräumt. Eine ganze Menge Platz ist darin – und ich stelle fest, dass die Fächer bereits beim Hineinstellen weniger Schachteln und Ordner leider schnell wieder belegt sind. Der Schrank soll der Archivschrank werden, so habe ich mir das vorgestellt ... Einen Moment flackerte der Gedanke in mir auf, dass ich vielleicht ein ganzes Museumszimmer einrichten muss. Mit all den weit zurückreichenden Erinnerungen an meine Familie. O Schreck.
Da das so aufwändig ist, freue ich mich, filigrane Briefumschläge in der Buchhandlung Rühs gefunden zu haben, die ich verwenden kann. Die haben so was Leichtes. Ich habe kurz überlegt, ob ich das mit den Briefen unbedingt weitermachen muss? Reicht es nicht, zu entrümpeln? Ich sage mir, dass ich weitermache. Es ist ein Ritual, das dazu passt. Ein irgendwie rundes Projekt. Dass ich Briefe und Blogbeiträge darüber schreibe, hält mich bei der Stange.
Es hat auch was, mit Füller und Tinte zu schreiben. Ich möchte das nicht zu früh abbrechen, sondern noch eine Weile ausprobieren ...

Liebe Frau Ihm-Fahle,
AntwortenLöschenwie wunderbar und kreativ ich dieses Projekt finde.
Wie schön es ist, mit viel Liebe zum Detail hergestellte Briefumschläge zu erhalten. Diese dann mit Freude zu öffnen und mit Füllfederhalter (!) in sehr schöner Schrift persönliche Zeilen zu lesen zu bekommen!
Ich schreibe dies unter „ Anonym“ , da ich nicht über ein Google Konto verfüge.
Bitte bleiben Sie weiterhin so kreativ. Ich kann sehr gut nachempfinden, wie schwierig auch Ihre „ Entsorgungsaktion“ bezüglich Ihrer sich angesammelten Bücher sein muss. Es fällt niemandem, der gerne liest und gedruckte Werke wertschätzt leicht, sich von diesen zu trennen. Mir bedeuten Bücher ebenfalls sehr viel, ich kann sehr gut nachvollziehen, wie schwer Sie sich damit tun und finde den von Ihnen eingeschlagenen Weg ganz wunderbar und auch für mich selbst sehr inspirierend!
In dem Wissen, dass Ihr aussergewöhnliches Projekt mit Sicherheit auch vielen anderen Menschen sehr viel Freude bereitet, verbleibe ich mit herzlichen Grüßen,
Katja Bohn-Schulz