Darf man Bücher wirklich zerschneiden?
Mein heutiger Brief fällt beinahe meinen anderen Aktivitäten zum Opfer. Statt Bücher auszusortieren, befasse ich mich damit, neue zu produzieren. Der Autorenclub Wetterau bringt sein Jubiläumsbuch heraus, es steht kurz vor der Vollendung. Ich suche den örtlichen Buchhandel auf, um es anzubieten. In der Buchhandlung meines Vertrauens unterhalte ich mich mit Kirsten, die es für fraglich hält, Bücher zu zerschneiden. Ich denke an meinen Vater, der 100% das Gleiche gesagt hätte. Mein Argument lautet, dass aussortierte Bücher teilweise in die Papiertonne gehen. Man kann nicht alle aufheben oder sinnvoll weiterreichen – das geht einfach nicht. Lege ich etwa zehn Stück zur Seite und bastle aus den Seiten noch etwas, finde ich nichts Verwerfliches daran. Es ist Ansichtssache.
Natürlich kaufe ich in der Buchhandlung wieder Lektüre, wie sollte es anders sein. Das Werk ist zum 150. Geburtstag von Thomas Mann erschienen – der ist im Juni kommenden Jahres. Der Inhalt befasst sich u.a. mit den Anfangsschwierigkeiten, die Thomas Mann als Schriftsteller hatte. Das finde ich sehr interessant, denn es gibt wohl keinen Schriftsteller, der keine Anfangsschwierigkeiten hat – die meisten haben dauerhafte Schwierigkeiten.
Bücher über Thomas Mann werden von mir übrigens nicht aussortiert. Alles, womit ich mich mal mit Hingabe befasst habe, hebe ich auf. Während meiner Zeit als Buchhandels-Azubi war das so; ich habe für die Familie Mann geschwärmt. Das Buch von Marianne Kröll, "Im Netz der Zauberer" beispielsweise – ich habe es sehr gerne gelesen, kann mich aber nicht daran erinnern, wann ich es das letzte Mal in der Hand gehabt hätte. Aber es bleibt. Genauso "Meine ungeschriebenen Memoiren" von Katia Mann, seiner Frau. Das war überhaupt das erste Buch über Familie Mann, das ich mit großer Begeisterung gelesen habe.
Ich bin heute sehr geneigt, keinen Brief zu schreiben, denke aber, dass ich das nicht einreißen lassen darf. Auch zehn nicht mehr benötigte Bücher möchte ich heute noch aussortieren. Warum? Ich will bis Ende des Jahres meinen Bestand an Literatur deutlich reduziert haben. Und dazu gehört, dass ich mein Projekt durchziehe: Tag für Tag für Tag.
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| Bücher, die bleiben. Dazu gehört "Meine ungeschriebenen Memoiren" von Katia Mann |

Was empfiehlt die Buchhändlerin denn, was man mit seinem Bestand machen soll?
AntwortenLöschenIch dachte gerade, warum schreibst du die Briefe nicht einfach, wenn dir danach ist? Man muss doch nicht immer alles so sttreng durchziehen. Da fehlt doch irgendwann der Spaß und es wird zur weiteren Pflicht.
Vielleicht verschenken oder spenden, nehme ich an.
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