Das zerknüllte Interview
Heute war ein Handwerker da, der 22. Besuch eines Handwerkers in diesem Jahr. Eine stolze Bilanz und jedes Mal eine Nervenprobe für mich. So etwas liegt mir überhaupt nicht, aber es ist natürlich sehr hilfreich, wenn Defektes repariert wird.
Vor dem Besuch muss ich in der Küche Ordnung schaffen und räume alles Mögliche fort. Unter anderem sind dies zwei Kisten unter dem Küchentisch, an dem ich sehr oft sitze. Die Kisten behindern mich seit Anfang des Jahres. Die eine ist leer, in der anderen ist Geschirr, säuberlich in Zeitungspapier verpackt. Ich stelle fest, es liegen sehr viele zerknüllte Zeitungen obenauf, das Geschirr ist weiter unten. Und ich fasse einen Entschluss: Ich werde alles wegschmeißen.
Zunächst das Zeitungspapier – das ist natürlich einfach. Aber auch da fällt mir sofort etwas ins Auge. Das ist ein Artikel aus dem April 2017, ein Interview aus der WZ mit dem Schriftsteller Bodo Kirchhoff. Die Überschrift ist provokant und lautet "Erfolg heißt gar nichts". Ich lese den Beitrag, denn diese Aussage finde ich interessant. Auf die Frage von Sabine Bornemann "Der Erfolg gibt Ihnen recht, oder?" sagt Kirchhoff: "Erfolg heißt gar nichts. Über die Jahre ist es schon richtig, aber Erfolg kann die Menschen auch täuschen." Leser können seiner Ansicht nach auf etwas "reinfallen", das Kritiker schreiben, oder ein Erfolg stelle sich nur ein, weil es vorher schon einen Erfolg gab. "Eines zieht das andere nach sich. Ich muss mich auf mich selber verlassen können", sagt er.
Diese Sichtweise passt zu dem, worüber ich mich gestern mit Rita aus unserem Autorenclub unterhalten habe. Wir bringen gerade ein neues Buch heraus und haben über das Motiv gesprochen, wieso wir schreiben. Rita sagte, dass sie dadurch sehr viel verarbeitet. Das ist ihr eigentlicher Mehrwert. Mir geht es genauso. Ich habe große Erkenntnisgewinne, wenn ich mich ein Jahr lang intensiv mit einem Thema beschäftige. Das Schreiben verändert. Mein heutiger Erkenntnisgewinn: Ich brauche an diesem Tag keine Bücher auszusortieren, weil ich das bereits mit den alten Zeitungen und dem Geschirr getan habe. Puuuh!

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