Mein Urgroßvater Albert

Versonnen schaue ich den Bücherstapel in der Küche an. Er liegt bereits seit drei Tagen da, es sind einige sehr schöne Bildbände dabei. Ich halte mich anscheinend etwas zu lange damit auf, Briefumschläge aus ausgewählten Seiten zu basteln. Eigentlich, so denke ich, wollte ich doch Bücher aussortieren und mich möglichst schnell trennen. Dazu muss ich zurück, beschließe ich und greife nach einem Buch, das unscheinbar aussieht. Sicherlich ist es inhaltlich völlig uninteressant. Ich schlage es auf. Ärgerlich, es ist ein Buch über die Geschichte der deutschen Burschenschaften.So etwas interessiert mich überhaupt nicht, aber ich weiß, dass solche Titel gesammelt werden. Ich googele nach dem Buch und stellte fest, dass es auf keinem Antiquariatsportal vertreten ist. Also ein seltenes Werk. Ich überlege, ob ich es nicht trotzdem entsorge. Was will ich mit einem Buch über Burschenschaften? 
Dann schlage ich es auf, und sehe, wer das Vorwort geschrieben hatte. Das war zu meiner Überraschung mein Urgroßvater Albert gewesen.
Ich wusste nicht, dass er Burschenschafter gewesen war. Ich wusste überhaupt nichts über ihn, ehrlich gesagt. Stelle fest, dass er tatsächlich einen Schmiss auf der Wange hatte.
In dem Buch erzählt er ein kleines bisschen aus seinem Leben. "Drei Jahre alt mag ich gewesen sein, als ich an der Hand meines Vaters zum ersten Mal gen Thüringen wanderte, um den dort ansässigen Großeltern als erster Stammhalter vorgeführt zu werden." Usw. usf.
Heißt, das Buch wandert zurück ins Regal. 
Anschließend werde ich energisch. So geht das nicht weiter. Sprich, heute sortiere ich ziemlich erbarmungslos 70 Bücher aus. Wie gesagt, ich will bis Ende des Jahres Ordnung in dem Kuddelmuddel haben. Mehrfach gehe ich zur Papiertonne, aber auch zum offenen Bücherschrank. Irgendwann wird sich der Bücherdschungel schon lichten ...  


 

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