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Post Crossing

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Morgens war ich ganz frustriert. Ich grämte mich: Welch blödes Projekt ich doch angefangen habe. Wie sollte ich das nur durchhalten? Ehrlich gesagt, ich wusste schon gar nicht mehr, wem ich noch alles schreiben soll. Einige liebe Menschen habe ich noch auf meiner Liste, aber bis Ende des Jahres jeden Tag? Wie soll das funktionieren?  Um das Problem anzugehen, meldete ich mich in einer Facebook-Gruppe an, in der Brieffreundschaften geschlossen werden. Aber davon war ich nicht ganz überzeugt; es könnte ja sein, dass sich dort Romantic Scammer eingeschlichen haben.  Noch während ich darüber nachdachte, fiel mir ein, dass ich in der Wetterauer Zeitung mal über "Post Crossing" gelesen habe. Eine Frau schrieb täglich eine Postkarte an irgendjemanden auf der Welt. Sie bekam die Adressen über ein Tauschsystem zur Verfügung gestellt und erhielt ebenfalls viele Postkarten. Ich suchte nach dem Artikel und fand ihn.  Auf der Homepage habe ich mich registriert und gleich eine Adresse ...

Postkarte statt Handy

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Mein Briefprojekt verläuft unspektakulär. Sehr viele Erkenntnisse kann man bei so etwas nicht haben. Das stelle ich bereits nach wenigen Tagen fest. Ich weiß auch nicht wirklich, wem ich alles schreiben soll. Einem Teil der Personen, bei denen es naheliegt, habe ich bereits einen Brief geschickt – und weiter? Meine ursprüngliche Idee, einfach an fremde Leute zu schreiben, finde ich nicht mehr so gut. Menschen, die mich nicht kennen und einen handgeschriebenen Brief von mir erhalten,  fühlen sich vielleicht bedroht oder glauben an einen Betrug. Der hauptsächliche Effekt ist, dass ich entrümple. Dazu fühle ich mich durch mein Vorhaben ermuntert, Briefumschläge aus alten Buchseiten zu fabrizieren. Entrümpeln heißt, ich sortiere Bücher aus und bringe sie zum offenen Bücherschrank. Wirklich weniger scheinen es kaum zu werden, aber steter Tropfen höhlt den Stein. Am Ende des Jahres wird sich schon ein Ergebnis zeigen.  Als ich heute vor dem offenen Bücherschrank stand, fragte mich e...

Man braucht Geduld

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Mal schnell noch einen Brief schreiben – so habe ich mir das heute Abend gedacht. Pustekuchen.  Briefpapier herstellen, Umschlag basteln, den Brief mit der Hand schreiben, adressieren – das dauert eine ganze Weile. Der Umschlag muss ja auch zugeklebt werden. Damit es besser aussieht, habe ich mich auf doppelseitiges Klebeband verlegt. Natürlich ist Tesafilm einfacher, sieht aber provisorisch aus. Doppelseitiges Klebeband zu schneiden, ist nicht ganz einfach. Zu allem Überfluss bleibt auch noch das schöne gebastelte  Briefpapier an der Klebeseite hängen und geht ein bisschen kaputt. Muss also repariert werden.  Ich adressiere den Umschlag, will anschließend die Marken aufkleben und stelle fest, dass für so viele Marken, wie nach Österreich notwendig sind, kein Platz vorhanden ist. Das heißt, ich muss den Umschlag etwas umgestalten.  Die Angst, dass die Briefe nicht ankommen, wenn sie zu kreativ sind, brauche ich jedenfalls nicht zu haben. Zum einen wurde mir das ...

Alles richtig? Wird schon schiefgehen

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Codierzone, Frankierzone ... Wer Briefumschläge entwirft, kann einiges falsch machen. Das stellt sich heraus, als mir eine liebe Freundin erzählt, ihren Brief noch nicht bekommen zu haben. Und das, obwohl ich zweimal Umschläge direkt am Schalter abgegeben habe. Ich habe den jeweiligen Postbeamten gefragt, ob alles richtig sei. Es war soweit alles okay.  Ich habe recherchiert, was dazu geführt haben könnte, dass meine Freundin den Brief nicht erhalten hat. Dabei stelle ich fest, dass es eine Codierzone gibt. Die ist 150 mm lang und 1,5 cm hoch. Sie befindet sich am unteren Rand des Briefes und ist dafür da, seitens der Post einen kleinen schwach wahrnehmbaren Strichcode aufzudrucken. Das ist bei farbigen Umschlägen natürlich nicht so einfach, die Codierzone muss weiß oder in Pastelltönen gehalten sein. Das Buchseitenpapier, das ich verwende, enthält Buchstaben, womit ein Code nicht lesbar sein wird. D.h., solch ein Brief fliegt aus der Sortiermaschine vermutlich heraus und muss...

Ich beginne, umzudenken

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Heute habe ich einen anderen Blick auf mein Projekt gerichtet. Das hat etwas damit zu tun, dass ich das Papier aus Buchseiten als nicht 100-prozentig optimal für Briefumschläge empfinde. Ein Umschlag sieht netter aus, wenn er aus buntem Papier besteht, bilde ich mir ein. Oder wenn wenigstens ein Bild drauf ist.  Heute habe ich am offenen Bücherschrank, wohin ich einiges nicht mehr Benötigtes gebracht habe, vier Exemplare einer Zeitschrift für Druckkunst entdeckt und mitgenommen. So etwas scheint mir besonders gut geeignet, um ansprechende Umschläge herzustellen. Ich habe gleich damit begonnen. Außerdem habe ich zwei Umschläge aus einem altantiquarischen Wilhelm-Busch-Buch meiner Großmama Willi gebastelt, das schon ziemlich am Auseinanderfallen war. Vorher hatte ich überlegt, ob ich es wirklich machen soll. Das Buch hat mir gefallen, und ich dachte, dass ich es nicht opfern werde. So geht es mir aber mit jedem Werk, dass ich in die Hand nehme. Ich finde tausend Gründe, warum es blei...

Die Briefe gehen auf die Reise

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Heute Nachmittag und am frühen Abend war ich sehr müde. Ich habe mich früh hingelegt, wurde irgendwann wieder wach und habe den Kopf über das Briefprojekt geschüttelt. Wie konnte ich mich nur auf so etwas einlassen? Das ist ja eine ganze Menge Arbeit – und wem soll ich überhaupt schreiben? So dachte ich.  Ich bin aufgestanden und dachte: "Es hilft ja nichts. Du hast es angefangen, nun wird es durchgezogen. Du bastelst jetzt mindestens einen Briefumschlag."  Heute habe ich aber zu einem anderen Papier gegriffen. Es ist eine stark lichtrandige Mappe mit sechs Holzschnitten des Künstlers Hans Michael Bungter gewesen. Ich habe auf einem Antiquariats- Online-Marktplatz recherchiert und bin der Ansicht, dass hier kein hoher Sammlerwert besteht, und ich diese Blätter jetzt einfach mal verwende.  Da es sich um DIN-A4-Bögen handelt, musste ich keine Buchseiten zusammenkleben, um eine faltfähige Vorlage zu erhalten. Es ging relativ schnell und so habe ich heute mein erstes Set herg...

Warum nicht einfach in die Papiertonne?

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Mein Briefprojekt hat mich heute recht nachdenklich gemacht. Auf dem Heimweg von der Recherche für einen Presseartikel überlegte ich, noch zum Baumarkt zu gehen, um doppelseitiges Klebeband zum Verschließen der Briefumschläge zu kaufen. Ich hatte unterwegs allerdings Rückenschmerzen durch die schwere Kameratasche bekommen. Sowieso hatte ich schon etwas „Rücken“ gehabt, nachdem ich am Tag zuvor im Stehen, nach vorn gebeugt, Umschläge gebastelt und Briefe geschrieben hatte. Also ging ich nach Hause.   Plötzlich begann ich, nachdenklich zu werden. Ist dieses Briefprojekt nicht eigentlich Quatsch? Es bindet mal wieder viel Zeit. Warum kloppe ich die alten Bücher, die ich nicht mehr benötige, nicht einfach in die Papiertonne? Welche Ergebnisse erwarte ich? Werden Menschen, die von mir handgeschriebene Briefe in alten Buchpapier-Umschlägen erhalten, nicht befremdet sein? Was ist, wenn ich keine oder kaum Resonanz erhalte? Was ich mir fast vorstellen kann.   Habe ich mit „FEST zu - P...